Archive for the 'Gesellschaft' Category

Rückblick 2009 (2)

Der Tod Robert Enkes war auch für mich die Nachricht, die mich wie keine andere im vergangenen Jahr schockiert hat. Beinahe so, also ob in der Nahen Verwandschaft ein Todesfall zur Betroffenheit führt. Wie ausweglos muss eine Situation erscheinen, dass ich bereit bin Frau und Kind zu verlassen, die ich doch so sehr liebe. Das kann ich nicht verstehen und nachvollziehen. Daran erkenne ich, dass ich mich mit dem Thema Depression dann doch nicht auskenne, weil ich es durch meine Brille betrachte und bewerte. Meine Sicht auf den Vorfall ist natürlich rein subjektiv.

Etwas scheinheilig empfinde ich die ganze Diskussion im Anschluss zu Enkes Tod. Da hieß es oft davon, dass es nun Zeit ist, das Thema Depression in unserer Gesellschaft eintabuisieren zu müssen. Somit wollte man vermutlich dem Drama einen temporären Sinn geben. Die Leistungsgesellschaft wurde an den Pranger gestellt und als Ursache für Depression ausgemacht. Aus meiner Sicht ist das zu oberflächlich beurteilt. Und vor allem zu heuchlerisch, weil im nächsten Atemzug jeder zum üblichen Leistungsprinzip übergeht.

Passend hierzu finde ich folgenden Blog-Kommentar:

Den einzigem dem die derzeitige Diskussion hilft, sind die Medien, denen es Einschaltquoten und Lesern bringt. Ja, das war jetzt mal ein gefundenes Fressen für die Medien: Promi mit Kind springt vor den Zug; hübsche junge Frau weinend vor der Kammer… Das sind die Bilder, von den die Medien leben. Der Jahre lange zermürbende Alltag mit depressiven Menschen ist keine Meldung. Weil es einfach zu öde ist. Und es gibt Menschen mit Depressionen die da zu stehen. Aber von denen wollt und will man nichts wissen. … In zwei Wochen spricht kein Mensch mehr über den ehemaligen Torwart der deutschen Nationalmannschaft. Dann ist es wieder die Unterwäsche von Britney Spears…

georgos über Georg Müller

Vor kurzem habe ich mir den Film “Georg Müller – Ein Mann, der die Welt veränderte” angeschaut. Der Film ist so eine Art dokumentarische Biografie über meinen Namensvettern, der von 1805 bis 1898 lebte und als Wasienvater von Bristol bekannt wurde. Meine Begeisterung über die DVD hält sich in Grenzen. Da die Motivation zu diesem Film nicht kommerzieller Art ist, will ich keine kritische Beurteilung gegen die doch recht bescheidene Filmaufmachung abgeben. Enttäuscht bin ich aus einem ganz anderen Grund: Meiner Ansicht nach wird Georg Müller zu einseitig als Mann des Glaubens, der nur durch Gebet und Gottvertrauen sein Leben und Werk führt, dargestellt.

Für mich ist Georg Müller vor allem ein Mann der Barmherzigkeit, der die verdammte Ungerechtigkeit gegenüber den Waisenkindern nicht ertragen konnte. Dazu muss man wissen, dass ein Waisenkind ohne Auffangbecken auf die Straße geschmissen wurden. Kein Sozialarbeiter oder  Streetworker, der schnell zur Hilfe eilte. Keine Waisenrente, die gezahlt wurde. Keine Verwandschaft, die Mitleid hatte. Und auch keine Kirche oder Geistlicher, die sich erbarmten. Eine ganze Gesellschaft verachtete sie. Ein Waisenkind war damals quasi zu Tode verurteilt, da viele von Ihnen erfroren oder an Cholera erkrankten. Misshandlungen standen auf der Tagesordnung. Ihnen blieb nichts anderes übrig als Brot und Geld zu stehlen und so die Karriere eines Kleinkriminellen zu starten. Auf diesen Missstand machte damals Charles Dickens mit “Oliver Twist” aufmerksam.

Georg Müller konnte dieses Elend nicht länger ertragen und forderte seine Kirchengemeinde heraus: “Wie kann ich mich Jesu Jünger nennen und meine Augen vor diesen Kindern verschließen?” Was nichts anderes heißt, wie: “Wie kann ich Gottes Barmherzigkeit für mich geltend machen und danach ein Herz aus Stein haben?”

Und dieser Aspekt geht mir völlig im Film flöten. Okay, Georg Müller hatte eine Methode, die sehr nennens- und ehrenwert ist: Ich glaube, dass Gott mir einen sehr spezifischen Auftrag gegeben hat und mich dann auch mit allen notwendigen Mitteln versorgen wird, die ich dazu und zum Leben benötige. Deshalb muss ich keinen Spendenaufruf starten, weil Gott mich und die Arbeit eh versorgen wird.

Und letztlich geht es in diesem Film immer nur um diese megemäßigen Glaubenstaten, die Gott in letzter Sekunde auch immer “belohnt”.

Wenn man so einen Film sieht, kann man sich nur “Scheiße” fühlen, weil man nicht die Glaubenstaten eines Georg Müllers vorzuweisen hat. Und was ist mit all den diakonischen/karitativen/kirchlichen Einrichtungen, die Spendenaufrufe starten? Haben die etwa keinen Glauben?

Ich denke, dass Glaube sich vor allem in Barmherzigkeit zum Ausdruck bringt. Und ich denke auch, dass sich die Gemeinde Jesu von heute zu stark um sich selbst dreht. Und sie dreht sich auch nur um sich selbst, wenn es um die Erlangung von Glaubenstaten geht. Du und ich sollten uns aufmachen und die Augen öffnen, welchem Menschen wir Barmherzigkeit weiter geben können.

Schließen will ich mit einem Absatz, den ich neulich auf der Vineyard Berlin-Website gefunden habe. Das wünsch ich uns allen, die sich wie ich Christen nennen:

Jeder Mensch ist uns herzlich willkommen, ungeachtet seines Alters, seiner sozialen Herkunft, seiner Nationalität, seiner sexuellen Orientierung und seiner weltanschaulichen und religiösen Überzeugungen.

Über Partypeople

Am vergangenen Wochenende war ich ja auf dem Konzert von Autokratz. Geile Mukke, bei der ich zum Tanzbären werde. Die Herren Cox und Crank sind vermutlich in meinem Alter. Und vermutlich gibt es eine große Übereinstimmung in unseren Plattensammlungen. Aber das ich tierisch auf die Jungs stehe, soll nicht Thema dieses Posts sein.

Das Konzert stieg im Rocker 33, einem mehrfach prämierten Club in Stuttgart. Die Location sind in der Tat ganz cool. Auf der MySpace-Seite vom Rocker 33 fand ich den Hinweis, dass das Konzert um 23 Uhr beginnen sollte. Ist ja reichlich spät für mich alten Sack. Aber für Autokratz nehme ich das gerne in Kauf, dachte ich. Als ich dann ankam, war ich der erste Besucher! Und was soll ich sagen? Autokratz betraten erst um 2 Uhr die Bühne. Die lange Wartezeit fand ich ganz schön frustrierend. Bis dahin haben zwei DJs die Beute mit – nun ja, sagen wir mal: Electronic aufgemischt. Schon bald habe ich mich im Kreise der Partypeople als Fremdkörper gefühlt. Es gibt ja zwei Arten von diesem Bewusstsein:

Bei der ersten will man dazugehören, muss aber erst einmal schauen, wie man sich Zugang verschafft. Trage ich die falschen Klamotten? Sitzt die Frisur nicht Szene konform? Muss ich an meinem Tanzschritt noch arbeiten?

Oder ich denke mir, mit diesen Affen kann und will ich nichts anfangen. Und mir geht es am Arsch vorbei, nicht Teil der Partypeople zu sein. Und das war an diesem Abend definitiv der Fall. Dabei gings nicht um ein Outfit oder andere Äußerlichkeiten. Mich hat einfach diese aufgesetzte Partystimmung genervt. Die DJs – quasi als Vorband – fühlen sich wie die Götter der Nacht, die die Massen berauschen. Und die Leute sagen sich „Geil! Wochenende! Party! Gib mir alles, damit ich Party habe. Gib mir fette Beats! Lass mich tanzen! Gib mir Alkohol! Und ich werde gut drauf sein!“

Soll mir eigentlich alles Scheiß egal sein. Doch leider war diese Stimmung auch bei dem Autokratz-Auftritt zugegen. Ich schätze, es waren ca. 200 Leute dort. Und ich glaube, nur fünf kannten Autokratz wirklich. Und es ist einfach etwas elementar anderes, wenn die Partypeople „Yeah!“ grüllen, mit geschlossenen Augen und verklärtem Lächeln sich der Mukke hingeben oder der wirkliche Fan „Yeeeeeaaaaaaahhhhhhhh! brüllt, vor Glück alles kurz und klein schlagen könnte und die Mukke schon vorher unendliche male inhaliert hat und den Groove bereits im Blut hat und nur Sekunden benötigt, bis er den nächsten Song identifiziert hat.

Der Kontext war einfach Autokratz unwürdig. Zu viele Partypeople, die einfach nur für eine aufgesetzte gute Stimmung gesorgt haben. Keine Leidenschaft. Keine Begeisterung. Keine Ekstase. Kein Ausrasten.

Ich kann dieses Party-Gemache („Ich will jetzt gut drauf sein und mich selbst feiern“) überhaupt nicht nachvollziehen. Aber macht doch, was ihr wollt …

SPON über Obama und Warren

Gerade den Artikel “Zu viel Kirche, zu wenig Coolness” zu Obamas Amtseinführung auf spiegel.de gelesen. Amüsant, mit welcher Aufregung das hierzulande verfolgt und beschrieben wird. Zugleich aber beschäftigt mich das schon, durch welche Brille sog. (amerikanische) Evangelikale betrachtet werden. Interessant dann auch die Reaktionen im SPON-Forum.

Kann mir aber bitte jemand erklären, was ein Evangelikalist ist?

Evangelikalist

XING-Junkie

Soeben habe ich mir bei XING verwundert die Augen gerieben. Ob man bei dieser Anzahl von Kontakten noch von Netzwerk sprechen kann?

Respekt

Habe von Literatur noch nicht mal einen blassen Schimmer. Und eigentlich find ich Marcel Reich-Ranicki mit seiner selbstgerechten Art auch gar nicht so sympathisch. Aber was er auf der Verleihung des ZDF Fernsehpreises gebracht hat, hat Respekt verdient:

Er soll den ZDF Fernsehpreis für sein “Lebenswerk” verliehen bekommen. Tommy stützt ihn zum Gang ans Rednerpult, während der ganze Saal auf den Stühlen stehend Beifall klatscht. Minuten langes Standing Ovation – und es kommt doch zum “Eklat”: Alles Scheiße hier! So ein Preis hier nehme ich nicht an.

So cool muss man erst einmal sein!!! Kenne keinen, der das nach so vielen Minuten Streicheleinheiten so konsequent durchgezogen hätte. Respekt davor, in solch einer Situation nicht einzuknicken, seine unbequeme Meinung zu vertreten und die dummen Gesichter zu ertragen.

Uganda Workcamp

Folgendes find ich gut und sollte wohl auch mal über einen Einsatz nachdenken …

Weitere Infos auf dem Nichtegal-Blog.

Prophetien

Heute wurde ich per E-Mail auf die Prophetie von Cindy Jacobs aufmerksam gemacht. Diese Prophetie soll Deutschland gewidmet sein und wurde im November letzten Jahres in Berlin gegeben.

Es werden die typischen Themen wie Humanismus, Abtreibung, Feminismus usw. in diesem Land angeprangert. Die Prophetin ruft außerdem dazu auf, die Bundeskanzlerin zur Wiedereinführung des Buß- und Bettags zu bedrängen.

Frau Jacobs warnt vor der satanischen Revolution in diesem Land, die ein Tor zur Finsternis öffnen wird. Deshalb ruft sie  zu einem Sommer mit vollmächtigen Evangelisationen auf (das hat zur Aktion summer2go geführt).

Das sind für mich alte Kamellen. Es fehlte nur noch der Begriff Homosexualität. Beim Schlag-/Schimpfwort Humanismus bezweifle ich, dass hier jeder in der Szene eigentlich weiß, was unter Humanismus zu verstehen ist.

Neu ist für mich jedoch eine Prophetie mit der Androhung, dass Islam und Terrorismus einen (bösen) Plan mit diesem Land haben sollen. Weil Enlgand einst ihre prophetischen Warnungen ignorierte, kam es zu den Bombenanschläge in London.

Mir wird dabei ganz komisch. Für mich klingt das alles zu sehr fundamentalistisch.

1. WORLD VISION Kinderstudie

Empfehle euch einen Besuch auf der Homepage der 1. WORLD VISION Kinderstudie “Kinder in Deutschland 2007″. Eine Zusammenfassung als PDF ist ebenfalls enthalten.

Irgendwie beschäftigt mich das Thema schon länger (z.B. Mach dich stark für starke Kinder). Ich selbst bin wohlbehütet aufgewachsen und genieße auch jetzt großen Segen. Gottes Segen darf ich zunächst einmal genießen, verpflichtet mich aber auch zur Weitergabe.

Interessant finde ich hierzu die Gedanken von Storch, der sich in seinem Post zwar ausdrücklich mit  dem Thema Geld und Reichtum beschäftigt, was aber aus meiner Sicht auch ganz allgemein für Segnungen zutrifft:

Aber wie das Leben so spielt, auch wenn Gott uns überversorgen kann, heisst das noch lange nicht, dass ein Hang zum Reichtum eine gute Grundeinstellung ist. Wer Christ wird weil er glaubt, dass der Glaube ihn schon reich machen wird, der ist auf dem Holzweg und vom guten Weg abgekommen bevor er richtig darauf war.
Wenn Gott versorgt, dann damit sein Reich gebaut wird. Er stellt Ressourcen in unsere Verwaltung, aber nicht in erster und einziger Linie damit wir reich sind, sondern damit wir mit dem, was wir empfangen haben anderen dienen können. Es gibt Segen, der ist nur dazu da, effektiver zu dienen und es ist falsch solchen Segen um seiner selbst willen zu suchen, denn wenn wir das tun sind wir nicht mehr in der Lage ihn so ein zu setzen, wie wir sollten.

So ist Geld ein zweischneidiges Schwert: Gott hat genug davon und gibt seinen Kindern gerne etwas ab, aber kaum etwas stellt unseren Charakter auf eine schwerere Probe.

Für mich stellt sich nur die Frage, wann was wie losgehen sollte. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass das was mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben könnte, die aus benachteiligten Situationen kommen.

Mal beten. Mal schaun …

Midlife Crisis

Weiß jemand, wann die Midlife Crisis beginnt?

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