Rückblick 2009 (2)
Der Tod Robert Enkes war auch für mich die Nachricht, die mich wie keine andere im vergangenen Jahr schockiert hat. Beinahe so, also ob in der Nahen Verwandschaft ein Todesfall zur Betroffenheit führt. Wie ausweglos muss eine Situation erscheinen, dass ich bereit bin Frau und Kind zu verlassen, die ich doch so sehr liebe. Das kann ich nicht verstehen und nachvollziehen. Daran erkenne ich, dass ich mich mit dem Thema Depression dann doch nicht auskenne, weil ich es durch meine Brille betrachte und bewerte. Meine Sicht auf den Vorfall ist natürlich rein subjektiv.
Etwas scheinheilig empfinde ich die ganze Diskussion im Anschluss zu Enkes Tod. Da hieß es oft davon, dass es nun Zeit ist, das Thema Depression in unserer Gesellschaft eintabuisieren zu müssen. Somit wollte man vermutlich dem Drama einen temporären Sinn geben. Die Leistungsgesellschaft wurde an den Pranger gestellt und als Ursache für Depression ausgemacht. Aus meiner Sicht ist das zu oberflächlich beurteilt. Und vor allem zu heuchlerisch, weil im nächsten Atemzug jeder zum üblichen Leistungsprinzip übergeht.
Passend hierzu finde ich folgenden Blog-Kommentar:
Den einzigem dem die derzeitige Diskussion hilft, sind die Medien, denen es Einschaltquoten und Lesern bringt. Ja, das war jetzt mal ein gefundenes Fressen für die Medien: Promi mit Kind springt vor den Zug; hübsche junge Frau weinend vor der Kammer… Das sind die Bilder, von den die Medien leben. Der Jahre lange zermürbende Alltag mit depressiven Menschen ist keine Meldung. Weil es einfach zu öde ist. Und es gibt Menschen mit Depressionen die da zu stehen. Aber von denen wollt und will man nichts wissen. … In zwei Wochen spricht kein Mensch mehr über den ehemaligen Torwart der deutschen Nationalmannschaft. Dann ist es wieder die Unterwäsche von Britney Spears…
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