Immer wieder drehen sich meine Gedanken um Gemeinde. Mir ist es einfach zu wenig, einfach nur hinzugehen und meine Zeit abzusitzen. Ich versuche dabei, Gemeinde zu analysieren, wie sie ist und vergleiche sie mit meinem inneren Bild von Gemeinde.
Ich bin froh, dass ich in der Baustraße bin. Mein Pastor (Joachim Glöckler) ist voll der liebe Kerl und gehört nicht zu den machtgeilen Hauptamtlichen. Zurzeit geht er ganz behutsam mit mir um, weil er weiß, dass die jetzige Phase einfach nur stressig für mich ist. Er kann warten, will nichts puschen und ist immer für neue Ideen zu haben, ohne sie gleich abzuwehren. Joachim, ich mag dich!
Ein weiterer Pluspunkt meiner Gemeinde: bei uns gibt es jede Menge Kids und eine super Kinderarbeit. Meine Jungs sind nicht die einzigen in ihrem Alter. Ich erinnere mich noch ganz genau, wie ich einst mal eine Kinderstunde (und später auch Jugendstunde) in einem Altenzentrum besucht habe (die Gemeinde ging aus einem christlichen Altenpflegeheim hervor). Wir waren im Durchschnitt drei Kids, aber nicht im selben Alter. Meine Helden erleben das ganz anders: ein Großteil ihrer Freunde ist in der Gemeinde. Wenn Jannis am Sonntag in den Kindergottesdienst geht, sind in seiner Altersgruppe zischen 15 und 20 Kinder. Andere Altersgruppen sind auch nicht schlecht vertreten.
Und nun überlege ich mir, wie sich Gemeinde für sie weiterentwickelt. Wir Eltern leben Gemeinde und Spiritualität so, dass es uns gut gefällt. Aber jetzt schon spüren wir, wie sich die wenigen Teenies im Gottesdienst nicht wohlfühlen und wahrscheinlich nur aus Pflichtgefühl teilnehmen.
Ich denke, dass wir Eltern noch stark herausgefordert werden. Das Thema dürfen wir nicht auf die lange Bank schieben, denn ruck zuck sind unsere Kleinen die Großen von morgen. Wenn wir das verpennen, werden wir viele Tränen weinen.
Dabei sind folgende Sachen wichtig: heranwachsende Jugendliche müssen für voll genommen werden. Sie sind nicht die Gemeinde von morgen, sondern die dynamischste und aktivste Gruppe innerhalb der Gemeinde von heute. Einer Jugendgruppe muss Kompetenz und Verantwortung übertragen werden. Was meine ich damit?
In vielen Gemeinden werden Jugendliche verbal unterstützt: “Wir sind für euch!”, “Macht was” und “Wir beten für euch!” habe ich oft gehört. Aber dann, wenn Jugendliche radikal ihren Glauben ausleben wollen, bilden sich automatisch immer auch Formen, die für die Elterngeneration meistens fremd sind. Und auf einmal bekommt der bezahlte Hirte auch noch Probleme, weil er von den ganzen Sessions und Aktionen nichts mitbekommt. Auf einmal interessiert er sich wieder für die ganzen Pickelgesichter. Doch nur aus Angst, weil sich da eine Parallelstruktur entwickeln könnte, bei der er nicht mehr der Pastor ist. Und das kann er mit seinem pastoralen Gewissen nicht vereinbaren. Dabei hat er längst den Draht verloren. Die Gemeinde lehrt das WWW – werdet wie wir – und ist nicht bereit, von ihren Traditionen und Vorlieben abzurücken.
Folgendes Bild finde ich dazu ganz passend: Jugendarbeit ist wie ein altes Auto, dass man den Jugendlichen anvertraut. “Hey, nimmt Fahrt auf!” ruft man ihnen zu. “Aber immer schön mit angezogener Handbremse fahren!”. “Wir werden euch aber unterstützen” – die Gemeinde schiebt bei angezogener Bremse den Wagen an. Wird der Wagen zu schnell, wird gleich eine Polizeieskorte mit Blaulicht losgeschickt. Für zu schnell Fahren gibts dann Führerscheinentzug oder zumindest ein paar Punkte.
Lasst uns mit dem Schwachsinn aufhören! Lasst uns bereit sein, Parallelstrukturen zuzulassen. Lasst die Kiste ins rollen kommen. Lasst sie rocken, umfallen und wieder aufstehen. Auch hier können wir wieder von Willow Creek lernen: die Jugendlichen von damals haben sich ihren Traum von Kirche verwirklicht und hatten später die Größe, ihren Stolz auf ihre tollen Formen aufzugeben und haben ihren Jugendliche die Gemeinde in der Gemeinde ermöglicht.
Weil viele Gemeinden das verpennt haben, hat Gott so Bewegungen wie die Jesus-Freaks ins Leben gerufen, die sich voll auf die Bedürfnisse der jungen Generation einstellen. Verzeiht mir Freaks, wenn diese Argumentation so uncool und platt ist, aber ich denke wirklich, dass ihr viele aufgefangen habt, die andere fallen gelassen haben. Danke!
Erkenne: Jugendarbeit ist nicht nur ein kleines Sublabel unter einem Majorlabel, sondern Gemeindearbeit pur.