Musikalische Vorlieben
Doro und ich haben unsere Jungs ins Bett gebracht. Danach habe ich noch ein wenig in unserer Garageneinfahrt rumgeschippt. Der lehmige Boden macht es einem nach den heftigen Regenschauern echt schwer. Fix und fertig habe ich mir danach ein Bad genehmigt und mir dabei Martin L. Gores Counterfeit2 reingezogen. Mann, wie ich seine Musik liebe!
Vorneweg: Gore ist für mich der weltbeste Songwriter. Auch wenn auf seinem Soloprojekt nur Coversongs zu hören sind, wird keiner hier bestreiten, dass er Mördersongs geschrieben hat. Die Hits von Depeche Mode kennt jeder. Black Celebration ist wohl das Album, das mich in meiner Jugend am meisten beeindruckt und geprägt hat. Das war die Zeit, in der ich angefangen habe, Musik selektiv zu hören. Und irgendwie hat mich dieser düstere Synthiepop einfach nicht mehr losgelassen, weil er einfach am besten mein Lebensgefühl getroffen hat.
Retromäßig habe ich mich in jener Zeit auch mit den Anfängen von DM beschäftigt. Und so führte natürlich auch kein Weg an Mr. Vince Clarke vorbei, den Kopf auf dem Debütalbum Speak and Spell. Dieser ist danach mit Gores Flamme durchgebrannt und hat weitere Projekte ins Leben gerufen: Yazoo und Erasure sind weitere Meilensteine in meiner Musikwelt. Insbesondere Yazoo find ich sehr kultig! Erasure verzaubern auch heute noch mit ihrer Zuckerwatten-Musik – wenn auch nur eingefleischte Fans. Böse Fachjournalisten behaupten, Erasure produzieren schnulzigen Schlager.
Ich muss schon zugeben, DM klingt viel düsterer, reifer und schwerer als Erasure. Aber manchmal muss ich mir einfach eine Scheibe von den Jungs reinziehen. So, wie an einem Abend Heißhunger auf Weiße Schokolade zu haben, muss hier und da mal dieses süße Zeug verschlungen werden.
Clarke ist für mich der größte Synthiefreak, dessen Loops und Sequenzen mich wohl am meisten in meiner bescheidenen Musikmacherei beeinflusst haben.
Ende der 80er habe ich dann ausschließlich elektronische Musik gehört. Mit 17 Jahren hat mich dann auch EBM voll gepackt. Nitzer Ebb und Front 242 haben es mir da am meisten angetan.
Mit Anfang 20 konnte ich mir aber eingestehen, dass auf Dauer ausschließlich elektronische Mucke langweilt. Hitparadenmusik hat mich aber auch damals nicht sonderlich gekickt. Okay, Grunge war dann letztlich auch recht erfolgreich und somit kommerziell. Aber ansonsten konnte ich den Scheiß kaum ertragen. Deshalb habe ich mich eher in die Independent-Ecke geflüchtet, ohne aber dabei Groupie einer bestimmten Band zu werden.
Anfang und Mitte der 90er hat mich dann Rolf Schild auf ganz andere Wege verführt. Die Platten der Pat Metheny Group haben mir noch mal ein ganz anderes Klangerlebnis beschert. Das ist noch melodischer und leicht verdaulicher Jazz. Das Beschäftigen mit diesen Scheiben hat mich natürlich musikalisch noch mal richtig gepuscht. Genial, wie locker 7/8- oder 10/8-Takte daherklingen.
Und so höre ich heute richtig Mischmasch. Und das ist gut so!
Was mich absolut abturnt: Der ganze Hip-Hop-, R&B und Black Music-Scheiß. Da kommt mir ganz schnell der Gallensaft hoch … Vor manchen Künstlern habe ich echt Respekt, aber die Musik berührt mich überhaupt nicht. Dafür war ich wohl früher einfach zu wavig
Was mich noch reizt: Deutschsprachige Pop-Rock-Musik. Ich glaube, da gibt es jede Menge guter Bands. Außerdem find ich deutsprachige Texte irgendwie ansprechender. Woran das nur lieg?
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