Jannis war insgesamt eine Woche im Krankenhaus. Die Krankheit ist noch nicht ausgeheilt, dennoch konnte er entlassen werden. Ein mulmiges Gefühl bleibt, weil er nach wie vor Blut im Urin hat, auch wenn uns die Ärzte beruhigen, dass das bei diesem Krankheitsbild auch über ein halbes Jahr lang normal sein kann. Nun muss er regelmäßig sein Urin checken und zum Kinderarzt.
Kaum ist Jannis nach seiner Entlassung daheim, klemmt sich Bennet vier Finger in der Haustür ein. Ein Windschlag knallt die Tür zu, als Doro mit meiner Mutter kurz auf die Eingangstreppe geht und Bennet hinter her eilt und sich am Türrahmen festhält.
Beide sind ausgesperrt. Zum Glück ist die Kellertür geöffnet, so dass mit starker Verzögerung dennoch die Tür geöffnet werden kann. Die Finger sind platt wie eine Briefmarke. Und schon wieder gehts ins Krankenhaus. Im Krankenhaus angekommen geht es aber dem Junior schon wieder ganz gut und irgendwie scheint er auch mächtig stolz zu sein, dass er diesmal der Grund des Krankenhausbesuches ist. Er wird geröngt und nun kommt der Hammer: nichts gebrochen! Es ist absolut gar nichts festzustellen. Die Finger sehen mittlerweile auch wieder so aus, wie Finger eben aussehen sollten.
Nun gut oder eben doch nicht, weil nun zuerst Doro für eine Nacht ebenfalls ins Krankenhaus muss und sie anschließend daheim ein Magen-Darm-Infekt lahmlegt. Zwei Tage später kotzen sich dann die Kids aus und etwas später bring ich die Kloschüssel zum Platzen.
Nicht genug der Strapazen, denn seit knapp zwei Wochen haben wir wieder Wasser im Keller! So eine verdammte Scheiße!
Parallel habe ich in meinem Job extrem Gas gegeben, weil ich bei einem Produktivstart mit dabei war, der dann wieder abgeblasen wurde. Auch das war sehr enttäuschend, weil ich mich neben all dem genannten dafür ganz schön aufgerieben habe (mal als Hausnummer: ich habe die ersten sieben Wochen in 2008 knapp 100 Überstunden angesammelt).
Frag mich und Gott, warum so viel auf einmal passieren muss. Fühle mich insbesondere mit Jannis’ Krankheit und unserer Wassergeschichte überfordert.
Wo ist eigentlich Gott in unserer Situation? Was für ironische Spielchen treibt er mit uns (nur eine Niere und gerade dieses Organ muss erkranken; Wasser im Keller, nach dem wir uns mehrere Monate in Sicherheit wiegen; Arbeiten bis zum Umfallen und alles wird abgeblasen)? Hat Gott überhaupt Interesse an unserer Not oder will er uns zeigen, dass wir das nur so empfinden und es in der Welt noch viel größeres Leid gibt? Hat Gott überhaupt alles im Griff? Was erwartet er jetzt von mir? Naive Loyalität und Lipenbekenntnisse? Was denkt der sich?!?
Eines wird mir aus all dem klar: es ist nichts, aber auch gar nichts selbstverständlich. Familie, Gesundheit, Haus, Geld, Beruf, … Ich habe für alles hart gearbeitet. Aber letztlich ist mir doch alles zugefallen. Segen spüre ich erst dann, wenn was davon zerbricht oder ins wanken gerät.