Über Partypeople
Am vergangenen Wochenende war ich ja auf dem Konzert von Autokratz. Geile Mukke, bei der ich zum Tanzbären werde. Die Herren Cox und Crank sind vermutlich in meinem Alter. Und vermutlich gibt es eine große Übereinstimmung in unseren Plattensammlungen. Aber das ich tierisch auf die Jungs stehe, soll nicht Thema dieses Posts sein.
Das Konzert stieg im Rocker 33, einem mehrfach prämierten Club in Stuttgart. Die Location sind in der Tat ganz cool. Auf der MySpace-Seite vom Rocker 33 fand ich den Hinweis, dass das Konzert um 23 Uhr beginnen sollte. Ist ja reichlich spät für mich alten Sack. Aber für Autokratz nehme ich das gerne in Kauf, dachte ich. Als ich dann ankam, war ich der erste Besucher! Und was soll ich sagen? Autokratz betraten erst um 2 Uhr die Bühne. Die lange Wartezeit fand ich ganz schön frustrierend. Bis dahin haben zwei DJs die Beute mit – nun ja, sagen wir mal: Electronic aufgemischt. Schon bald habe ich mich im Kreise der Partypeople als Fremdkörper gefühlt. Es gibt ja zwei Arten von diesem Bewusstsein:
Bei der ersten will man dazugehören, muss aber erst einmal schauen, wie man sich Zugang verschafft. Trage ich die falschen Klamotten? Sitzt die Frisur nicht Szene konform? Muss ich an meinem Tanzschritt noch arbeiten?
Oder ich denke mir, mit diesen Affen kann und will ich nichts anfangen. Und mir geht es am Arsch vorbei, nicht Teil der Partypeople zu sein. Und das war an diesem Abend definitiv der Fall. Dabei gings nicht um ein Outfit oder andere Äußerlichkeiten. Mich hat einfach diese aufgesetzte Partystimmung genervt. Die DJs – quasi als Vorband – fühlen sich wie die Götter der Nacht, die die Massen berauschen. Und die Leute sagen sich „Geil! Wochenende! Party! Gib mir alles, damit ich Party habe. Gib mir fette Beats! Lass mich tanzen! Gib mir Alkohol! Und ich werde gut drauf sein!“
Soll mir eigentlich alles Scheiß egal sein. Doch leider war diese Stimmung auch bei dem Autokratz-Auftritt zugegen. Ich schätze, es waren ca. 200 Leute dort. Und ich glaube, nur fünf kannten Autokratz wirklich. Und es ist einfach etwas elementar anderes, wenn die Partypeople „Yeah!“ grüllen, mit geschlossenen Augen und verklärtem Lächeln sich der Mukke hingeben oder der wirkliche Fan „Yeeeeeaaaaaaahhhhhhhh! brüllt, vor Glück alles kurz und klein schlagen könnte und die Mukke schon vorher unendliche male inhaliert hat und den Groove bereits im Blut hat und nur Sekunden benötigt, bis er den nächsten Song identifiziert hat.
Der Kontext war einfach Autokratz unwürdig. Zu viele Partypeople, die einfach nur für eine aufgesetzte gute Stimmung gesorgt haben. Keine Leidenschaft. Keine Begeisterung. Keine Ekstase. Kein Ausrasten.
Ich kann dieses Party-Gemache („Ich will jetzt gut drauf sein und mich selbst feiern“) überhaupt nicht nachvollziehen. Aber macht doch, was ihr wollt …
Comments(1)






Wow, ist ja krass so lange warten zu müssen. Und du hast durchgehalten!
Kann dich gut verstehen, wenn man diese Mucke liebt, will man einfach genießen, ob das heisst zu tanzen oder in irgendeiner Ecke still zu stehen, ist wahrscheinlich jedem selbst überlassen, aber wenn es nur darum geht, sich selbst zu feiern, ist einem diese Musik die man liebt, einfach zu schade dafür…
Komisch, dabei sind oft so kleine Konzerte gerade für Liebhaber perfekt…